Getreideernte 2019:
Untersuchungsergebnisse aus den Futtermittelprüfringen Rheinland-Pfalz
Neuberechnung der Rationen erforderlich!

Stand: 12/05/2019
86 Getreideproben aus Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2019 an der LUFA in Speyer untersucht.
Untersuchungsergebnisse 2019 kurz & knapp
im Vergleich zum Vorjahr:
  • Niedrige Feuchtegehalte
  • Im Durchschnitt niedrigere Rohproteingehalte
  • Rohfasergehalte ähnlich bei hoher Schwankungsbreite

Eine bedarfsgerechte und gleichzeitig kostengünstige Fütterung kann der Eigenmischer nur erreichen, wenn die Inhaltsstoffe der Einzelkomponenten bekannt sind. © DLR Eifel
Der trockene Sommer führte zu einer frühen Getreideernte und weitgehend trockenem Erntegut. Die Feuchtegehalte schwanken von 9,8% (niedrigster Wert bei Triticale) bis 14,5% (Maximumwert bei Weizen).
Die durchschnittlichen Rohproteingehalte sind mit 12,3% (13,1%) beim Weizen, 10,2% (10,8%) bei Wintergerste und 9,6% (9,4%) bei Triticale teilweise niedriger als die letztjährigen Zahlen (Klammerwerte). Auffällig ist wie jedes Jahr die Schwankungsbreite, die bei Weizen mit 6,5% den Höchstwert erreicht (siehe Abbildungen 1+2).
Die Energiegehalte befinden sich auf Vorjahresniveau. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 0,2 bis 0,7 MJ ME, je nach Getreideart. Die Rohfasergehalte in der Wintergerste sind mit durchschnittlich 4,4 % etwas höher als letztes Jahr (4,3%). Die Schwankungsbreite reicht von 2,8% bis 5,3%.
Bei den Ergebnissen von 14 Mykotoxinuntersuchungen (DON, ZEA) bei Weizen liegt nur eine Probe bei DON über dem Orientierungswert. Bei Wintergerste weist eine von 5 Proben einen zu hohen DON-Gehalt auf. Alle weiteren Ergebnisse liegen unter der Nachweisgrenze.


Abbildung 1: Schwankungsbreite der Rohproteingehalte nach Getreidearten 2019



Abbildung 2: Rohproteingehalte in Getreide aus Rheinland-Pfalz von 2010 - 2019



Getreideergebnisse der Futtermittelprüfringe Rheinland-Pfalz, Ernte 2019, (86 Proben)
Inhaltsstoffe in % bei 88% Trockensubstanz, Aminosäuren errechnet mit Degussa-Formel, Energie berechnet mit Einzelfuttermittelformel

Wasser-gehalt
%
Energie, MJ ME S
Roh­
faser (XF)
Roh­
stärke (XS)
Roh­
protein (XP)
Lysin
Methionin + Cystin
Threonin
Trypto-
phan
Winterweizen 30 Proben
Mittelwert
12,5
13,8
n.u.
59,2
12,3
0,34
0,46
0,35
0,15
Minimum
10,0
13,3
n.u.
54,8
9,6
0,29
0,38
0,29
0,13
Maximum
14,5
14,0
n.u.
62,7
16,1
0,42
0,58
0,45
0,18
DLG-Wert 2
13,0
13,7
2,6
57,4
12,3
0,34
0,48
0,35
0,13
Wintergerste 39 Proben
Mittelwert
12,2
12,7
4,4
53,9
10,2
0,37
0,39
0,34
0,13
Minimum
10,2
12,4
2,8
50,7
8,4
0,33
0,34
0,30
0,11
Maximum
14,2
12,9
5,3
56,5
11,7
0,41
0,43
0,38
0,17
DLG-Wert
13,0
12,5
4,80
52,2
10,4
0,37
0,38
0,3
0,11
Triticale 17 Proben
Mittelwert
12,7
13,4
n.u.
60,5
9,6
0,32
0,38
0,30
0,11
Minimum
9,8
13,4
n.u.
58,9
8,5
0,30
0,35
0,27
0,10
Maximum
14,4
13,6
n.u.
61,9
11,2
0,36
0,43
0,34
0,12
DLG-Wert
13,0
13,5
2,4
56,1
10,9
0,35
0,44
0,32
0,12
n.u.: nicht untersucht;
2DLG-Wert übernommen aus DLG-Futterwerttabellen Schweine, 7. Auflage (2014)


Fazit für die Schweinefütterung
  • Durch die hohen Schwankungen besonders bei den Rohproteingehalten und infolge dessen auch bei den essentiellen Aminosäuren, sind neue Rationsberechnungen zu empfehlen.
    Am Beispiel von Weizen mit 9,6 % und 16,1% Rohprotein wird deutlich, dass der Einsatz von pauschal 60% Weizen in der Ration eine Differenz von 4% Rohprotein in der Gesamtration nach sich ziehen würde.
    Ohne Untersuchungsergebnisse ist eine Pauschalerhöhung von eiweißreichen Ergänzungsfuttermitteln aus Kostengründen und aus Gründen der N-Reduzierung in der Gülle nicht zu empfehlen.
  • Verfüttert man Getreide mit sehr niedrigen Rohproteingehalten, sollte der Anteil der Eiweißergänzer erhöht werden. Liegen die Rohproteingehalte auf hohem Niveau, können Futtermittel, wie z.B. Sojaextraktionsschrot, eingespart werden.
  • Für die Rohfaserversorgung gilt: Um eine ausreichende Versorgung (tragende Sauen 7%, säugende Sauen 5%) sicherzustellen, sollten zusätzlich rohfaserreiche Futtermittel, wie z. B. Obsttrester, Zuckerrübentrockenschnitzel, Sojabohnenschalen oder Lignocellulose zum Einsatz kommen. Am besten geeignet ist eine Mischung verschiedener Rohfaserträger.


Ute.Schaefer@dlr.rlp.de     www.DLR-Eifel.rlp.de drucken nach oben  zurück