Kirschessigfliege


Wissenschaftl. Bezeichnung:
Drosophila suzukii (Spotted Wing Drosophila)KEF adult_Sauki.jpg

Art:
Schädlinge

Allgemeine Bedeutung:
Auch im Streuobst kann die neu eingewanderte Kirchessigfliege starke Schäden an den Früchten verursachen. Vor allem alle Weichobstarten, hier besonders im Steinobst die Süß- und Sauerkirschen, aber auch Zwetschen, Pflaumen und Mirabellen, sind als Hauptwirtspflanzen gefährdet. Bei Befall können Streuobstbestände ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Weiterverbreitung und Vermehrung der Kirschessigfliege darstellen.

Die aus Asien stammende Kirschessigfliege wurde zunächst in Nordamerika, danach in Europa, erstmals 2009 in Italien, nachgewiesen. Seitdem rückt sie immer mehr nach Norden vor und wurde im Herbst 2011 auch in Deutschland (Bodensee, Pfalz) und in Belgien nachgewiesen. Mittlerweile ist sie in ganz Europa zu finden und verursacht durch ihre schnelle Vermehrung enorme Schäden u.a. im Stein- und Beerenobst.
Diese Gärfliegen-Art kann mit dem sägeartigen Raspelapparat gesunde, intakte Früchte beschädigen und die Eier hineinlegen. In Kirschen vergehen vom Madenschlupf bis zum Kollabieren der Früchte etwa 2 Tage. Aufgrund des schnellen Entwicklungsverlaufes sind große Populationen möglich, die massiven Schaden verursachen können. Im Jahr 2012 und 2013 wurden erste Schäden vor allem in Brombeeren, Herbsthimbeeren und Holunder nachgewiesen, seit 2013 auch in Trauben. Durch den milden Winter 2013/2014 kam es im Frühjahr 2014 zu einem schnellen Populationsanstieg und erste Befälle in den frühen Süßkirschen wurden bereits Ende Mai (z.B. Burlat, Earlise) festgestellt. Aufgrund günstiger Witterungsbedingungen wurden viele Wirtsfrüchte sehr stark befallen. Schäden traten vor allem in Süß- und Sauerkirschen, Himbeeren, Brombeeren, Zwetschen, Holunder, Aprikosen, Pfirsiche und in Trauben auf. Auch im milden Winter 2014/2015 war die Überlebensrate der überwinternden Population sehr hoch, was durch die Fänge in den Monitoringfallen belegt wurde. Durch die trockene heiße Witterung in 2015 verlief die Populationsentwicklung verzögert und das Befallsniveau war deutlich geringer als in 2014.
Der Wirtspflanzenkreis ist ungemein groß. Neben den Hauptwirtspflanzen des Beeren- und Steinobstes befällt die Kirschessigfliege u.a. auch Trauben, Kiwi, Kaki, Feigen und Tomaten. Befallenes Obst ist in der Regel nicht mehr verwertbar.


Schadbild:
Die aus den Eiern schlüpfenden Larven fressen im Inneren der Frucht und zerstören in kürzester Zeit das Fruchtfleisch. Die Früchte werden weich, fallen seitlich ein und brechen zusammen. Durch die entstehenden Öffnungen in der Fruchthaut, spätestens beim Auswandern der Larven, kommt es zum Saftaustritt. Sekundär ist Fäulnisbefall zu beobachten. Gleichzeitig werden die Früchte interessant für die heimische Essigfliege, Drosophila melanogaster, die auf die kollabierenden Früchte ihre Eier ablegt und für den bekannten "Essiggeruch" verantwortlich ist

Biologie:
Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii oder Spotted Wing Drosophila) hat einen hellbraunen Körper und rote Augen. Die Männchen sind 2,6-2,8 mm groß, die Weibchen 3,2-3,4 mm. Als typisches Merkmal haben die Männchen einen schwarzen Punkt an den Flügelenden. Zusätzlich findet man an den Vorderbeinen auf den beiden ersten Tarsengliedern kleine einreihige schwarze Kämme. Die Flügel der Weibchen zeigen keinen schwarzen Punkt. Auffällig ist aber der kräftige, mit sägeartigen dunklen Zähnen besetzte Eilegeapparat (Ovipositor). Die Eier haben zwei charakteristische Atemanhänge in Form von weißen Fäden, die aus der Frucht herausragen. Die weißen Larven (Maden) sind max. 3,5 mm groß und durchlaufen in der Frucht drei Larvenstadien bis zur Verpuppung. Die etwa 3 mm langen, bräunlichen Puppen haben arttypische Atemanhänge, die sog. Prothorakalhörnchen.

Die Kirschessigfliege überwintert als adultes Tier in frostgeschützten Verstecken. Sobald die ersten Wirtsfrüchte heranreifen, legen die bereits befruchteten überwinternden Weibchen ihre Eier in diese ab. Die Eiablage erfolgt überwiegend in gesunde und intakte heranreifende Früchte, überreife Früchte sind weniger interessant. Die Weibchen benutzen einen mit dornenartigen Zähnen besetzten Raspelapparat am Ende des Hinterleibs, mit dem sie die Fruchthaut beschädigen, um anschließend die Eier in die Frucht abzulegen. Die Entwicklung verläuft sehr schnell. Abhängig von der Temperatur kann bei idealen Bedingungen zwischen 20 und 25°C der Larvenschlupf bereits nach einem Tag beginnen, die Made verpuppt sich nach etwa 5 Tagen und das adulte Tier schlüpft bereits nach 5 bis 8 Tagen. Der Entwicklungszyklus kann bei günstigen Bedingungen innerhalb von 14 Tagen abgeschlossen sein. In Japan sind bis zu 15 Generationen pro Jahr möglich, in unseren Breiten eher 8 bis 10 Generationen. Da die Weibchen im Durchschnitt bis zu 400 Eier ablegen können, sind hohe Schäden möglich. In der Regel werden 2 – 3 Eier pro Frucht abgelegt, es können aber auch deutlich mehr sein. In kurzer Zeit können viele Früchte belegt werden. Die geschlüpften Larven fressen im Innern der Frucht und bringen diese zum Kollabieren (zersetzen des Fruchtfleisches, Saftaustritt, sekundär Fäulnis, Befall durch Drosophila melanogaster). Die Verpuppung ist innerhalb und außerhalb der Frucht möglich. Grundsätzlich bevorzugt die Kirschessigfliege gemäßigte Klimate (Temperatur 20-25°C, max. 30°C) mit eher feuchteren Bedingungen, trocken-heiße Witterung kann die Entwicklung hemmen.
Als Maßnahme zur Befallsüberwachung kann mit Hilfe von Becherfallen mit Köderflüssigkeit (verwendet werden Mischungen aus Apfelessig, Rotwein, Wasser, und 1 Tropfen Spülmittel) der Flug der Kirschessigfliege überwacht werden. Die Becherfallen können selbst hergestellt (Lochgröße 2 mm, ca. 10 bis 15 Löcher im oberen Drittel der Falle anbringen) oder im Handel (z.B. RIGA/CH, Becherfalle auch für Massenfang, u.a. Hersteller) gekauft werden. Die Fallen sollen im schattigen Bereich der Bäume aufgehängt werden und sind wöchentlich zu kontrollieren. Die Auswertungen der letzten Jahre zeigen, dass die Fangzahlen in Becherfallen nicht mit dem Befall auf den Früchten korrelieren. Deshalb müssen zur Befallskontrolle unbedingt Früchte auf Eiablage kontrolliert werden.


Bekämpfung:
An geeigneten Bekämpfungsstrategien, die sich an den kulturspezifischen Eigenschaften orientieren müssen, wird gearbeitet. Die Bekämpfung im Beerenobst, das mehrmals geerntet werden muss, ist sehr schwierig (Erntenähe, Wartezeit, geeignetes Insektizid). Im Steinobst, wie z.B. Kirschen, die in einem, maximal in zwei Pflückdurchgängen geerntet werden, sind chemische Maßnahmen gezielter zu platzieren. Zur direkten Bekämpfung sind aktuell keine Insektizide zugelassen. Der Einsatz von Insektiziden kann über Ausnahmeregelungen - Art. 53 VO (EG) 1107/2009 (Notfallzulassung - möglicherweise genehmigt werden. Eine chemische Bekämpfung muss rechtzeitig vor Beginn der Eiablage erfolgen. Mit steigender Zunahme der Population wird die Bekämpfung immer schwieriger.
Massenfang mittels Köderfallen zur Bekämpfung spielt derzeit eine untergeordnete Rolle, die Ergebnisse waren i.d.R. nicht zufriedenstellend. Die Früchte haben eine deutlich höhere Attraktivität als die Köder.
Durch Einnetzung von Anlagen mit feinmaschigen Netzen (Maschenweite max. 0,8 mm) kann die Kirschessigfliege abgehalten werden. Das Netz muss vor dem Auftreten der Kirschessigfliege geschlossen werden und es dürfen keine seitlichen Öffnungen vorhanden sein. Um die Bewirtschaftung mit Maschinen bzw. Pflücke zu gewährleisten, sollte eine „Schleuse“ eingerichtet werden.
Auch Hygienemaßnahmen zur Absenkung der Populationsdichte, wie z.B. vollständiges Abernten und Vernichtung befallener Früchte, sind sinnvoll. Diese müssen großflächig in zusammenhängenden Gebieten durchgeführt werden. Je höher die Population der Kirschessigfliege in einer Anlage wird, umso schwieriger wird die Bekämpfung. In der Nachbarschaft befindliche aufgelassene Obstanlagen und Streuobstwiesen, in denen Hygiene- und Bekämpfungsmaßnahmen unterlassen werden, bieten ein hohes Vermehrungspotential und dienen somit der Ausbreitung.
Es sind zwar einige Parasiten bekannt, aber Bekämpfungsverfahren zum Einsatz von Nützlingen als natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege sind bisher nicht verfügbar.
Für bisher befallsfreie Gebiete sollte grundsätzlich die Einschleppung der Fliege, z.B. mit befallenen Früchten, durch gute Überwachung und Quarantänemaßnahmen möglichst vermieden werden.
Eine Bekämpfung der Kirschessigfliege ist nur durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen möglich.


Bilder:
KEF adult m_Sauki.jpg

KEF adult_Sauki.jpg

KEF Ovipositor.jpg

Kirsche mit Eiablage.jpg

Puppe Brombeere.jpg

KEF_Puppe.jpg

KEF_Schaden Sauki.jpg

KEF_Falle.jpg






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