Aluminium – weniger ist mehr

Stand: 08/15/2017
Alufolie ist beliebt im Haushalt. Kartoffeln oder Fisch werden gerne in Folie gebacken, Fleisch, Käse und Gemüse auf perforierten Aluschalen gegrillt, Speisereste mit Alufolie abgedeckt oder der Pausensnack in Folie verpackt mit zur Schule oder Arbeit genommen. Alufolie ist flexibel und gleichzeitig stabil. Sie ist kälte- und hitzebeständig und schützt die Speisen gegenüber Einflüssen von Licht und Luft.

Dennoch liest man immer wieder Warnungen vor der Verwendung von Alufolie, gleichermaßen von Aluschalen und auch von anderen Produkten aus diesem Material. Was ist dran an diesen Warnungen? Wie sollten sich Verbraucher verhalten, worauf achten?


Aluminium

Aluminium ist eines der häufigsten Elemente in der Erdkruste. Es ist ein silbrig-weißes Leichtmetall, das in der Flugzeug- und Fahrzeugindustrie, zur Wasseraufbereitung, für die Herstellung von Maschinen, elektrischen Leitungen, Wärmeaustauschern, Spiegelbeschichtungen und auch von Haushaltsgeräten, Lebensmittelverpackungen und Aluminiumfolie und vielem mehr verwendet wird.

Aluminium ist kein essentielles (lebensnotwendiges) Spurenelement für den Menschen. Es sind keine Stoffwechselfunktionen bekannt, die auf Aluminium angewiesen sind. Mit der Nahrung aufgenommenes Aluminium wird zu 97 bis 100 Prozent wieder mit dem Kot ausgeschieden, weil sich im Darm unlösliche Aluminium-Phosphatverbindungen bilden. Das in den Körper aufgenommene Aluminium wird beim gesunden Menschen mit dem Urin ausgeschieden. Bei Menschen mit Nierenerkrankungen ist die Ausscheidung über die Nieren eingeschränkt, so dass es zur Anreicherung von Aluminium im Körper kommen kann. Auch beim Gesunden reichert sich das Spurenelement im Laufe des Lebens an. Der Bestand im menschlichen Körper liegt etwa zwischen 50 bis 150 Milligramm, überwiegend in den Knochen und in der Lunge.


Verschiedene Quellen für Aluminium

Aluminium kommt natürlicherweise in fast allen Lebensmitteln vor. In sauren Böden (pH Wert <5) ist mehr Aluminium pflanzenverfügbar als in Böden mit neutralem oder basischem pH-Wert, wodurch auch die Gehalte in Lebensmitteln beeinflusst werden können. Die meisten unverarbeiteten Lebensmittel enthalten laut einer Stellungnahme der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit weniger als fünf Milligramm im Kilogramm. Bis zu zehn Milligramm pro Kilogramm wurden beispielsweise für Getreide und Getreideprodukte und einzelne Gemüsearten angegeben, während sehr hohe Konzentrationen in Kakao, Gewürzen oder Teeblättern festgestellt wurden.

Aluminium ist in sehr engen Grenzen als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Der silber-graue Farbstoff (E 173) darf für Überzüge von Zuckerwaren und zur Dekoration von Kuchen und Feingebäck verwendet werden. Einzelne Lebensmittelfarbstoffe werden mit Aluminium-Verbindungen gemischt und daraus sogenannte Aluminiumlacke hergestellt, um deren technologische Eigenschaften zu ändern. Diese dürfen bei bestimmten Lebensmitteln wie Kaugummis, Speiseeis, Kleinstsüßwaren und auch diätetischen Lebensmitteln verwendet werden. Aluminiumsulfate (E 520 bis E 523) sind als Festigungsmittel bei Eiklar und bei glasiertem, kandiertem oder kristallisiertem Obst und Gemüse zugelassen. Saures Natriumaluminiumsulfat (E 541) darf als künstliches Backtriebmittel bei feinen Backwaren verwendet werden. Aluminiumsilikate (E 554-E 556, E 559) sind als Trennmittel zum Beispiel bei Dragees, bei Mitteln zum Einfetten von Backformen oder auch bei geriebenem oder geschnittenem Käse erlaubt.

Aluminium kommt im Trinkwasser natürlicherweise vor und wird auch bei der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt. Laut Trinkwasserverordnung darf nicht mehr als 0,2 Milligramm Aluminium im Liter Trinkwasser sein. Die tatsächlichen Werte liegen i.d.R. darunter.

Die tägliche Aufnahme an Aluminium über Lebensmittel wird mit ein bis 15 Milligramm pro Tag oder bis zu 0,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Erwachsenen bzw. bis zu 0,35 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht bei Kindern und Säuglingen angegeben.

Darüber hinaus gibt es weitere Aluminiumquellen, die man im Blick haben muss.
Das sind zum einen Kosmetika. Insbesondere Antitranspirantien können Aluminium enthalten – quasi als „Schweißstopper“. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt, dass bei Anwendung aluminiumhaltiger Antitranspirantien in etwa so viel von diesem Spurenelement aufgenommen wird wie über Lebensmittel. Bei Verletzungen der Haut, z.B. nach dem Rasieren, kann die Aufnahme ein Vielfaches betragen.

Auch Medikamente, zum Beispiel Antacida (Medikamente zur Neutralisation der Magensäure), können Aluminium enthalten.

Weitere Aluminiumquellen können Kochgeschirr (z.B. Camping-Kochgeschirr), Grillschalen, Backbleche, Trinkflaschen aus Aluminium oder Alufolie sein.
Säure- und salzhaltige Lebensmittel können Aluminium aus der Folie oder dem unbeschichteten Geschirr lösen und den Gehalt im Lebensmittel ansteigen lassen. Auf den Packungen von Alufolie warnen die Hersteller entsprechend: „Aluminiumfolien nicht zum Abdecken von feuchten, säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln auf Servierplatten oder Schalen aus Metall verwenden. Folien können sich infolge Lokalelementbildung auflösen. Aluminiumfolien nicht in Verbindung mit stark säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln benutzen.“ Die früher übliche Ergänzung „An Lebensmittel abgegebene Aluminiumbestandteile sind jedoch nicht gesundheitsschädlich“ wird heute weggelassen.

Bei Laugenbrezeln werden immer wieder erhöhte Aluminiumwerte festgestellt. Das hängt damit zusammen, dass die Teiglinge vor dem Backen auf Aluminiumblechen in die Lauge getaucht werden. Bereits seit 2002 spricht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Empfehlungen aus, dass die Betriebe den Übergang von Aluminium auf Laugengebäck auf das technisch unvermeidbare Maß reduzieren sollten.

Lebensmittelverpackungen wie Getränkedosen, Joghurtdeckel, Kaffeekapseln oder Schalen für Fertigprodukte sind meist mit Kunststoff beschichtet, der den Übergang von Aluminium ins Lebensmittel verhindert.


Wirkungen von Aluminium im Körper

Aluminium reichert sich im Laufe des Lebens im Körper an. Schädliche Wirkungen auf das Nervensystem, die Knochenentwicklung und die Fruchtbarkeit sind bekannt. Außerdem steht Aluminium im Verdacht, die Entwicklung von Alzheimer und von Brustkrebs zu begünstigen. Ein ursächlicher Zusammenhang konnte bislang nicht nachweislich belegt werden.
Die unbedenkliche wöchentliche Aluminiumaufnahmemenge liegt bei einem Milligramm je Kilogramm Körpergewicht, so die Berechnungen der EFSA.
Die von der EFSA empfohlene maximale Aluminiumaufnahme kann bereits durch den „normalen“ Verzehr von Lebensmitteln erreicht oder sogar überschritten werden. Deshalb gilt es, alle zusätzlichen und vielleicht unbedachten Quellen auszuschalten. Das betrifft die Zubereitung und Lagerung von Lebensmitteln ebenso wie die Verwendung von Kosmetika oder die Medikamenteneinnahme.


Tipps für den Alltag
  • Keine sauren und salzigen Lebensmittel – beispielsweise Obststücke, Apfelkompott, Tomatensoße, Sauerkraut, Essiggurken, Wurst, Schinken, Käse, bereits gewürztes Fleisch/ Fisch und vieles mehr – in Alufolie oder in unbeschichtetem Alu(koch)geschirr lagern beziehungsweise zubereiten. Servierplatten aus Metall nicht mit Alufolie abdecken.
  • Keine Limonaden, Cola-Getränke oder Kaffee in Alu-Trinkflaschen aufbewahren.
  • Portionierte Fertigmenüs in beschichteten Aluminiumschalen aufbereiten und warmhalten.
  • Bei Verwendung von Aluminiumschalen zum Grillen das Grillgut erst nach Zubereitung salzen und würzen. Alternativ auf Schalen aus anderen Materialien wie Edelstahl oder Emaille zurückgreifen.
  • Bei beschichtetem Alu-Geschirr oder Flaschen darauf achten, dass die Beschichtung nicht beschädigt ist.
  • Espressokocher aus Aluminium sollten von Hand und nicht in der Spülmaschine gereinigt werden. In der Spülmaschine wird die Schutzschicht zerstört, die sich bei der ersten Benutzung des Kochers bildet und den Übergang von Aluminium in das Getränk verringert.
  • Deodorantien ohne Aluminiumsalze zu verwenden.
  • Bei Kosmetika wie Cremes, Sonnencremes, Lippenstift, Zahnpasta die Angaben zu den Inhaltsstoffen auf den Packungen beachten. Manche Hersteller werben auch mit dem Hinweis „ohne Aluminium" oder machen freiwillige Angaben wie „nicht auf verletzter Haut" bei aluminiumhaltigen Antitranspirantien.
  • Bei Einnahme von Antacida den Arzt ansprechen, dass er aluminiumfreie Medikamente verschreibt.


Weniger ist mehr – nicht nur der Gesundheit zu Liebe

Neben den gesundheitlichen Aspekten müssen im Zusammenhang mit Aluminium auch immer ökologische Aspekte bedacht werden. Die Gewinnung von Aluminium ist äußerst energieaufwändig. Bauxit, Rohstoff für die Aluminiumgewinnung, wird im Tageabbau abgebaut. Hierfür werden Regenwälder und sibirische Urwälder gerodet, Ökosysteme zerstört. Bei der Aluminiumgewinnung entstehen klimaschädliche Gase und giftige Abfallprodukte, die unter anderem auch die Gesundheit der Arbeiter gefährden.
Aluminium kann mit deutlich weniger Energieaufwand als bei der Primärgewinnung recycelt werden.Auch für Verbundmaterialien aus Aluminium, Kunststoff und/ oder Papier sind Verfahren entwickelt worden, diese zu trennen und aufzubereiten. Der Erfolg des Recyclings hängt nicht zuletzt auch davon ab, dass aluminiumhaltige Verpackungen der Wiederverwertung zugeführt und nicht im Restmüll entsorgt werden.

Weitere Informationen siehe unten.


Somit gilt der Grundsatz:
So wenig Aluminiumfolie und Aluminiumverpackung wie möglich. Wenn möglich auf Dosen/ Schüsseln mit Deckel zurückgreifen bzw. Mehrwegverpackungen oder Umverpackungen aus anderen Materialien wählen.


Quellen und weitere Informationen





irmgard.luetticken@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken nach oben