Sockentupfer-Programm des Rindergesundheitsdienstes:
Ein neuer Ansatz in der Paratuberkulose-Bekämpfung

Stand: 07/14/2016
Paratuberkulose ist ein ernstes Problem, nicht zuletzt, weil einige Bundesländer deren Bekämpfung forcieren. Der Rindergesundheitsdienst Rheinland-Pfalz bietet Betrieben, die freiwillig versuchen wollen den Infektionsdruck zu senken, das "Sockentupfer-Programm" an.

Paratuberkulose (ParaTB) ist eine ansteckende, chronische Darmerkrankung bei Wiederkäuern, die in infizierten Herden zu schweren wirtschaftlichen Verlusten führt.
Bei betroffenen Tieren setzt meist nach dem Abkalben Durchfall mit fortschreitender Abmagerung ein - bei erhaltener Futteraufnahme - der auch in Schüben verlaufen kann. Die Tiere magern schließlich vollständig ab, bis sie keinen Schlachtwert mehr besitzen.

Ansteckungsgefahr in den ersten vier Lebenswochen am größten
Die Erkrankung wird meist durch Aufnahme von Futter oder Wasser übertragen, das mit Kot erregerausscheidender Tiere verunreinigt ist. Kälber erregerausscheidender Kühe infizieren sich meist während der Geburt oder durch Aufnahme von MAP-positiver Biestmilch.

Zur Sanierung infizierter Bestände sind regelmäßige Untersuchungen von Einzeltierkotproben aller Kühe, Güllemischproben oder sogenannte Sockentupfer erfolgversprechend.

Sockentupfer-Programm des Rindergesundheitsdienstes
Der RinderGD am LUA in Koblenz beprobt interessierte Betriebe mit Sockentupfern in halbjährlichem Abstand. Mit den über die Stiefel gezogenen Gaze-Tupfern werden die Wege der laktierenden Kühe, aber auch der Abkalbe- und Jungviehbereich abgelaufen. Für ParaTB-positive Betriebe wird ein betriebsspezifisches Hygieneprogramm erarbeitet. Als zweite Säule der Bekämpfung in infizierten Betrieben werden von den Betriebsleitern Einzelmilchproben von trockenzustellenden Kühen für die Untersuchung auf Antikörper entnommen. Verdächtige Tiere können so erkannt, noch genauer beobachtet werden und getrennt von anderen abkalben. Da der Erreger häufig mit der Biestmilch übertragen wird, werden die Kälber positiver Muttertiere mit aufgetautem Kolostrum von Antikörpernegativen Tieren getränkt.
Das Programm wird von der Tierseuchenkasse durch Übernahme von 70% der Untersuchungskosten unterstützt.

Hygiene ist ein Schlüssel zum Erfolg – Empfehlungen des RinderGD:
  • Sofortiges Ausmerzen MAP-ausscheidender Tiere
  • Hygienisches Abkalben sicherstellen (u.a. Muttertier inkl. Klauen vor Geburt reinigen, Euter und Zitzen vor Biestmilchgewinnung)
  • Nach der Geburt Kälber sofort von den Muttertieren trennen
  • Biestmilchgabe ausschließlich von negativ auf MAP untersuchten Tieren
  • Räumlich getrennte Aufzucht der Jungtiere
  • Letzte Kälber klinisch Paratuberkulose-kranker Kühe möglichst nicht aufziehen
  • Kontaminierung von Futtermitteln oder Tränkewasser mit Kot unbedingt vermeiden
  • Keine Gülle und Festmist auf Futterflächen ausbringen
  • Aufkalkung saurer Böden
  • Mineralstoffversorgung: Kalzium, Spurenelemente (Eisen)
  • Kein Zukauf oder nur aus Herden mit besserem Hygienestatus, Verkauf nur zur Mast oder zur Schlachtung
Ansprechpartner und weitere Informationen
    Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz,
    Rindergesundheitsdienst
    Telefon: 0261/9149 -385 / -386
    Telefax: 0261/9149 -55 -385 / -386
    Email: Wolfram.Klawonn@lua.rlp.de
    Email: Heidrun.Mengel@lua.rlp.de
    Internet: www.lua.rlp.de
Das Faltblatt "Sockentupfer-Programm des RinderGD: Ein neuer Ansatz in der Paratuberkulose-Bekämpfung" fasst die wichtigsten Informationen zur Paratuberkulose und dem Sockentupfer-Programm zusammen (pdf-Datei am Ende des Dokumentes zum Download).


Download: Flyer_Rinder GD-Sockentupfer.pdfFlyer_Rinder GD-Sockentupfer.pdf



thomas.priesmann@dlr.rlp.de     www.DLR-Eifel.rlp.de drucken nach oben